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Existenz gesichert? – Hartz IV kompakt

Hartz IV war lange Zeit medial kein sonderlich großes Thema, allenfalls wenn es darum ging, Leistungsbetrug, Schmarotzertum oder die Faulheit der Leistungbezieher auszuleuchten, waren bestimmte Medien – ganz besonders auch jenes mit den ganz großen Buchstaben und Bildern – recht flott dabei, entsprechende Artikel zu verfassen. Man tritt ja gerne nach unten. Offenbar zusammenhängend mit dem Fall der Essener Tafel begann eine Diskussion über die Leistungen in Verbindung mit dem ALG II und ob man denn davon überhaupt menschenwürdig Leben kann. Hier kompakt dargestellt die Leistung selbst, deren Herkunft, Zusammensetzung und Geschichte – und eine Bewertung.

In einem anderen Beitrag habe ich bereits eine Übersicht zu den existenzsichernden Leistungen in Deutschland allgemein zusammengestellt. Hier geht es nun um das Arbeitslosengeld II, dass der Volksmund gerne als Hartz IV bezeichnet: Denke ich an Hartz IV, muss ich vor allem an auschweifende Orgien in Luxushotels mit Schampus und Prostitutierten denken, die damals auch über den „Schreibtisch“ von Peter Hartz (die sogenannte „VW-Korruptionsaffäre“, siehe z.B. die FAZ vom 30.09.2005, das manager magazin vom 17.01.2007 oder Spiegel Online vom 25.01.2007), einst Personalvorstand bei Volkswagen, liefen und die so einen krassen Gegensatz zur Schröder’schen Agenda darstellen. (mehr …)

Soziale Berufe – gewachsen wenig Anerkennung

Ich erinnere mich noch, als ich vor über zwanzig Jahren eine schwere schulische Krise zu überstehen hatte und damals mit dem Gedanken spielte, die Schule vorzeitig – „nur“ mit einem Realschulabschluss – zu beenden und eine berufliche Laufbahn als Erzieher einzuschlagen. Es waren die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und die brave Schwesternschaft, bei der ich meine Ausbildung hätte machen können, hätte mich, wie man so schön sagt, mit Handkuss genommen: Einen Mann – etwas ganz Besonderes im Bereich der Kindererziehung zum damaligen Zeitpunkt. Andere Stimmen überzeugten mich jedoch, mein Abitur doch zu machen: Ein Mann muss eine Familie ernähren können. Erzieher geht da nun wirklich nicht. Richtige Männer werden Ingenieure oder Wirtschaftskapitäne.

Mittlerweile habe auch ich das Trauma Abitur bereits seit zwei Jahrzehnten hinter mir gelassen. Und inzwischen habe ich auch einen sozialen Beruf ergriffen, soziale Arbeit an einer dualen Hochschule studiert und einen Mastergrad in angewandter Ethik im Sozial- und Gesundheitswesen erworben. Ich war in der heilpädagogischen Förderung tätig, leitete eine geschlossene Wohngruppe, schnupperte in den gerontopsychiatrischen Bereich hinein und hatte, wenn ich von meiner jetzigen Position aus auf die letzten Jahre zurückblicke,  die meisten meiner Berufsjahre im Schichtbetrieb erledigt. Die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren überwiegend Frauen (und sind es immer noch) und die Bezahlung war immer durch die Bank weg schlecht – verglichen mit dem, was in der freien Wirtschaft verdient wurde. Während die Boni meiner Bekannten in der Privatwirtschaft hoch und vierstellig sind, ist meine „Leistungszulage“ nach dem TVÖD niedrig und dreistellig. Ein inzwischen verstorbener, lieber Kommilitone, der bei einem Pharmaunternehmen tätig war, fragte mich einmal, warum man sich so etwas im sozialen Bereich überhaupt gefallen lassen würde – er würde jedenfalls für ein derartiges Gehalt nicht arbeiten wollen. Ich zuckte nur mit den Schultern.

Um zu verstehen, warum soziale Arbeit – und das schließt Pflege und Erziehung mit ein – einen recht schweren Stand hat und von der Akzeptanz her so weit unter anderen Dienstleistungs- und Produktionsberufen steht muss man vorn anfangen – ganz vorn. (mehr …)

Bedingungsloses Grundeinkommen – die Faulen belohnen?

Mit zunehmender Veränderung der Arbeitswelt kommt das Modell eines Grundeinkommens für alle, wie es bereits seit einigen Jahren mehr oder weniger öffentlichkeitswirksam diskutiert wird, wird das Thema auch inzwischen immer wieder von Wirtschaftskapitänen geführt: Oft als Möglichkeit, die Folgen von Umwälzungen insbesondere in der Produktion abzumildern. Auf der anderen Seite stehen Skeptiker, die oft getreu dem antiken Motto des Proletariats „Arbeit muss sich lohnen!“ ein bedingungsloses Grundeinkommen ablehnen. Die Begriffe von Arbeit und Sozialleistung werden sich ändern müssen.

Vom Arbeiten und Tätigsein

Als ich in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aufwuchs, gab es große Visionen von der Zukunft: Mit bunten Zeichnungen bebilderte Bücher malten ein Leben aus, in dem fortschrittliche Automatisierung und Digitalisierung uns viel Arbeit abnehmen und der Mensch sinnvollen, befriedigenden Tätigkeiten nachgeht. Die Zukunft würde golden sein – mit weniger Arbeit und einem Wohlstand, der durch Maschinen gesichert würde. In der Rückschau scheinen diese Visionen jedoch auf ganz besonders drastische Art daneben gegangen zu sein. (mehr …)