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Wir können ja eh nichts tun. Ich schon.

Das Sommerloch ist inzwischen glücklicherweise vorüber. Die Junta um Söder, Dobrindt und Seehofer hatte den Untergang der CSU, wie wir sie kennen, eingeleitet, und auch jetzt ist es nur wenig besser. Nachdem Streit ist vor dem Streit, die Causa Maaßen ist (noch nicht ganz?) abgeschlossen und die Rechten toben (teils in tiefer Trauer) durch die Städte in Ostdeutschlands. Das Ende ist nahe nicht nur politisch von der Stimmung her, auch klimatechnisch gesehen. So können wir feststellen, dass der Planet hoffnungslos verloren ist – denn was sollen wir armen Bürger schon tun? Wir machen eben so gerne Fernreisen und Kreuzfahrten und unter einem 2-Tonnen-SUV kommt uns nichts in die Garage. So sind wir halt, dass ist unsere Schuld, aber was soll man machen (man stelle sich an diesem Punkt das schulterzuckende Männchen/Weibchen-Emoji vor).

Vor einiger Zeit las ich einen Kommentar in der SZ Online, der mir in meinen Twitterfeed gespült worden war. Schaut man sich an, was unter dem Hashtag #Klimawandel bei Twitter so gepostet wird, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich inzwischen bereits Wissen diesbezüglich verbreitet hat. Klimawandel passte thematisch gut ins Sommerloch, war der Sommer doch dieses Jahr ganz besonders heiß (auch wenn es vorrausichtlich kein Rekordsommer bezogen auf die Hitze wird) und trocken. (mehr …)

Das Ende der Menschlichkeit

Nachdem die letzten Wochen geprägt waren von einem absurden Politzirkus, inszeniert vom CSU-Trio Seehofer, Söder und Dobrindt, der sich immer schneller drehte wie ein außer Kontrolle geratenes Jahrmarktskarussell (im Hintergrund Missklänge aus der kaputten Drehorgel – wahlweise Söder oder Dobrindt). Nun will Seehofer gerne die Mittelmeerroute schließen unterstützt durch Österreichs Bundeskanzler kurz, der Kapitän eines Rettungsschiffs muss sich vor Gericht verantworten und in „Der Zeit“ diskutiert man offenbar über das Für und Wider der Seenotrettung. das kommt der Logik einiger Twittertrolle doch entgegen, die lauthals die Meinung vertreten, dass erst die Seenotrettung dafür sorgen würde, dass immer mehr Menschen sich auf den Weg übers Meer machen würden. Man würde die Schlepper geradezu „ermutigen“. Man diskutiert mit zunehmendem Ernst darüber, ob man Menschen nun besser ertrinken lassen soll oder nicht – das würde sie dann schon lehren, in unser schönes Europa einzufallen.

„Oder soll man es lassen?“ lautete die Überschrift eines Artikels der Zeit in der letzten Woche. Der Beitrag, der zunächst hinter einer Bezahlschranke abgelegt war (mittlerweile allgemein zugängig) sorgte nach seinem Erscheinen für einen – gelinde ausgedrückt – mächtigen Wirbel. Liest man den Artikel, so erscheint dieser – zumindest die erste Strecke (die Frau Lobenstein verfasst hat) – als eine recht nüchtern-sachliche Wasserstandsanalyse. Ein erster Satz, der ins Auge fällt ist dieser: „Ihr Verständnis von Menschenrechten ist absolut kompromisslos.  (bezogen auf die Retter, Anmerkung d. Artikelschreibers)“ Dieses „Verständnis“ wird leider nicht weiter erläutert – was ja durchaus interessant sein könnte, denn es scheint der Autorin Mariam Lau von der Zeit nicht um Kompromisse bei den Menschenrechten sondern um Kompromisse hinsichtlich des Verständnisses der Seenotretter was die Menschenrechte angeht zu gehen (ein kleiner, aber feiner Unterschied!). Es kann ja Frau Lau nicht ernsthaft darum gehen, bei Menschenrechten doch Kompromisse einzugehen? Hoffen wir es nicht. (mehr …)

Existenz gesichert? – Hartz IV kompakt

Hartz IV war lange Zeit medial kein sonderlich großes Thema, allenfalls wenn es darum ging, Leistungsbetrug, Schmarotzertum oder die Faulheit der Leistungbezieher auszuleuchten, waren bestimmte Medien – ganz besonders auch jenes mit den ganz großen Buchstaben und Bildern – recht flott dabei, entsprechende Artikel zu verfassen. Man tritt ja gerne nach unten. Offenbar zusammenhängend mit dem Fall der Essener Tafel begann eine Diskussion über die Leistungen in Verbindung mit dem ALG II und ob man denn davon überhaupt menschenwürdig Leben kann. Hier kompakt dargestellt die Leistung selbst, deren Herkunft, Zusammensetzung und Geschichte – und eine Bewertung.

In einem anderen Beitrag habe ich bereits eine Übersicht zu den existenzsichernden Leistungen in Deutschland allgemein zusammengestellt. Hier geht es nun um das Arbeitslosengeld II, dass der Volksmund gerne als Hartz IV bezeichnet: Denke ich an Hartz IV, muss ich vor allem an auschweifende Orgien in Luxushotels mit Schampus und Prostitutierten denken, die damals auch über den „Schreibtisch“ von Peter Hartz (die sogenannte „VW-Korruptionsaffäre“, siehe z.B. die FAZ vom 30.09.2005, das manager magazin vom 17.01.2007 oder Spiegel Online vom 25.01.2007), einst Personalvorstand bei Volkswagen, liefen und die so einen krassen Gegensatz zur Schröder’schen Agenda darstellen. (mehr …)

Soziale Berufe – gewachsen wenig Anerkennung

Ich erinnere mich noch, als ich vor über zwanzig Jahren eine schwere schulische Krise zu überstehen hatte und damals mit dem Gedanken spielte, die Schule vorzeitig – „nur“ mit einem Realschulabschluss – zu beenden und eine berufliche Laufbahn als Erzieher einzuschlagen. Es waren die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts und die brave Schwesternschaft, bei der ich meine Ausbildung hätte machen können, hätte mich, wie man so schön sagt, mit Handkuss genommen: Einen Mann – etwas ganz Besonderes im Bereich der Kindererziehung zum damaligen Zeitpunkt. Andere Stimmen überzeugten mich jedoch, mein Abitur doch zu machen: Ein Mann muss eine Familie ernähren können. Erzieher geht da nun wirklich nicht. Richtige Männer werden Ingenieure oder Wirtschaftskapitäne.

Mittlerweile habe auch ich das Trauma Abitur bereits seit zwei Jahrzehnten hinter mir gelassen. Und inzwischen habe ich auch einen sozialen Beruf ergriffen, soziale Arbeit an einer dualen Hochschule studiert und einen Mastergrad in angewandter Ethik im Sozial- und Gesundheitswesen erworben. Ich war in der heilpädagogischen Förderung tätig, leitete eine geschlossene Wohngruppe, schnupperte in den gerontopsychiatrischen Bereich hinein und hatte, wenn ich von meiner jetzigen Position aus auf die letzten Jahre zurückblicke,  die meisten meiner Berufsjahre im Schichtbetrieb erledigt. Die Menschen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren überwiegend Frauen (und sind es immer noch) und die Bezahlung war immer durch die Bank weg schlecht – verglichen mit dem, was in der freien Wirtschaft verdient wurde. Während die Boni meiner Bekannten in der Privatwirtschaft hoch und vierstellig sind, ist meine „Leistungszulage“ nach dem TVÖD niedrig und dreistellig. Ein inzwischen verstorbener, lieber Kommilitone, der bei einem Pharmaunternehmen tätig war, fragte mich einmal, warum man sich so etwas im sozialen Bereich überhaupt gefallen lassen würde – er würde jedenfalls für ein derartiges Gehalt nicht arbeiten wollen. Ich zuckte nur mit den Schultern.

Um zu verstehen, warum soziale Arbeit – und das schließt Pflege und Erziehung mit ein – einen recht schweren Stand hat und von der Akzeptanz her so weit unter anderen Dienstleistungs- und Produktionsberufen steht muss man vorn anfangen – ganz vorn. (mehr …)

Es geht aufwärts? „Konzertierte Aktion Pflege“ und mehr…

Noch steht keine neue Regierung und die Wirren in den Reihen der Führung der SPD lassen momentan nichts allzu Gutes erahnen. Vielleicht scheitert auch eine Weiterführung der Großen Koalition mit CDU/CSU nun doch noch und es gibt am Ende eine Minderheitsregierung? Wie es auch immer ausgehen mag: Die Ideen zur Verbesserung der Pflege, wie sie der Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen SPD und Union darlegt, sind es wert, genauer betrachtet zu werden. Könnten diese wirksam werden und vor allem: Reichen diese auch für eine sichere Pflege in der Zukunft und packen die Probleme der Pflege an ihren Wurzeln?

Wenn es denn eine Fortsetzung der großen Koalition geben wird, so steht schon jetzt fest, dass die Koalitionäre womöglich Großtaten vorhaben, was den Bereich der Pflege angeht. Der Entwurf des Koalitionsvertrags stellt wörtlich fest: „Eine gute und verlässliche Pflege ist für immer mehr Betroffene und ihre Angehörigen von zentraler Bedeutung. (pdf)“ Da mag man nun tatsächlich nicken – mit dieser Aussage haben sie recht, die angehenden Koalitionäre. Kaum war der Entwurf des Vertrages an die Öffentlichkeit gelangt, so hat man sich recht schnell auf die darin genannte Zahl – 8000 – eingeschossen, die für die Anzahl der Fachkraftstellen in der Pflege steht, die eine große Koalition in einem „Sofortprogramm“ schaffen will: „Warum 8000 neue Stellen in der Pflege zu wenig sind“ titelt die Augsburger Allgemeine, „Die angekündigten 8000 neuen Stellen in der Pflege dürften nur ein Einstieg sein. Mittelfristig würden rund 100.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht,“ schreibt der Tagesspiegel und zitiert den Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Ulrich Schneider, phrasenhaft und unsäglich: „Eine menschenwürdige Pflege für alle ist nicht zum Nulltarif zu haben.“ Als ob das etwas Neues wäre. Es ist zu vermuten, dass das inzwischen auch bis zu den zuständigen Politikern durchgedrungen ist. (mehr …)

Bedingungsloses Grundeinkommen – die Faulen belohnen?

Mit zunehmender Veränderung der Arbeitswelt kommt das Modell eines Grundeinkommens für alle, wie es bereits seit einigen Jahren mehr oder weniger öffentlichkeitswirksam diskutiert wird, wird das Thema auch inzwischen immer wieder von Wirtschaftskapitänen geführt: Oft als Möglichkeit, die Folgen von Umwälzungen insbesondere in der Produktion abzumildern. Auf der anderen Seite stehen Skeptiker, die oft getreu dem antiken Motto des Proletariats „Arbeit muss sich lohnen!“ ein bedingungsloses Grundeinkommen ablehnen. Die Begriffe von Arbeit und Sozialleistung werden sich ändern müssen.

Vom Arbeiten und Tätigsein

Als ich in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aufwuchs, gab es große Visionen von der Zukunft: Mit bunten Zeichnungen bebilderte Bücher malten ein Leben aus, in dem fortschrittliche Automatisierung und Digitalisierung uns viel Arbeit abnehmen und der Mensch sinnvollen, befriedigenden Tätigkeiten nachgeht. Die Zukunft würde golden sein – mit weniger Arbeit und einem Wohlstand, der durch Maschinen gesichert würde. In der Rückschau scheinen diese Visionen jedoch auf ganz besonders drastische Art daneben gegangen zu sein. (mehr …)

Ausbeutung: Jetzt auch noch die Kinder!

Es ist noch nicht lange her das Amnesty International den Bericht „Time to recharge“ veröffentlichte, in der auf über 100 Seiten die Zustände in den Minen des Kongo beleuchtet werden. Offenbar hatte Amnesty bereits vor zwei Jahren auf die miserablen Zustände im Kongo bei der Förderung von Kobalt hingewiesen und bereits damals großen Unternehmen vorgeworfen, Kinderarbeit in Kauf zu nehmen. Weltweit werden für die Produktion von Gütern jedoch fast überall irgendwo in den Lieferketten unfaire Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Ausbeutung und Sklavenarbeit in Kauf genommen – seit vielen Jahren, ungeachtet dessen, dass Informationen hierzu eigentlich leicht zugängig sind. Nur zu passieren scheint: rein gar nichts.

Der Bericht „Time to recharge“ von Amnesty International wurde von den Medien intensiv aufgegriffen: So titelt Heise Online am 15.11.2017: „Amnesty: Microsoft, Apple, Samsung und Autohersteller nicht entschlossen gegen Kinderarbeit im Kongo“ oder die Zeit Online am selben Tag mit: „Amnesty wirft Autoherstellern Förderung von Kinderarbeit vor“. Von mir nun in der Überschrift etwas reißerisch formuliert, möchte ich in diesem Beitrag nochmals umreißen, dass Kinderarbeit im Grunde nur die Spitze eines Eisbergs darstellt, dessen gewaltige Ausmaße vor allem der voranschreitenden Globalisierung und dem, was man allgemein formuliert gerne als den „westlichen Lebensstil“ bezeichnet, geschuldet sind. Beginnen wir aber mit der Kinderarbeit. (mehr …)

Fairmast – Gibt es faire Geflügelmast?

Vor kurzem habe ich wieder einmal unerwünschte Werbung in Form von einem Stapel Prospekte, der gewaltsam in meinen Briefkasten gestopft wurde, erhalten. In dem beiliegenden Prospekt des Discounters Kaufland fand ich ein Angebot unter dem Label „Fairmast“, das Hähnchen aus „schonender Aufzucht“ versprach. Fairness in Bezug auf die Geflügelmast war nun doch etwas ganz Neues – Grund genug, sich damit einmal auseinander zu setzen.

Zunächst begab ich mich auf die Website des Herstellers und wurde dort von einer, nun, eher lebensbejahend gestalteten Landing Page begrüßt. „Fairmast – Geflügel aus tierfreundlicher Aufzucht“ heißt es da und auf einem Reiter oben rechts steht noch: „Gut für die Tiere“. (mehr …)