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Bye Bye Ebay!

Ich bin bereits seit einigen Jahren eher sporadischer Nutzer der EBay-Auktionsplattform. In letzter Zeit habe ich diese als Verkäufer häufiger genutzt und festgestellt, dass man als privater Verkäufer viel Ärger und Scherereien haben kann und nicht zu Letzt viel Zeit mit der Klärung fremdverursachter Probleme aufwenden muss. Hinzu kommt eine inzwischen horrende Gebühr in Höhe von 10% des erzielten Verkaufspreises und ein zwar freundlicher Service, der einen jedoch – so der Eindruck – am Ende mit den Problemen – eigentlich auch Problemen der Plattform selbst – alleine lässt.

Von Anfang an: Ich bin fast seit zehn Jahren EBay-Nutzer und habe die Plattform zu Beginn vor allem als Käufer genutzt. Irgendwann habe ich festgestellt, dass man auf EBay viele Dinge, die man selbst vielleicht eher entsorgt hätte, noch für gutes Geld loswerden konnte: Ein überfahrenes Samsung Galaxy S2 meiner Partnerin – Display zerbröselt, Rest aber intakt, eine Playstation mit defektem Blu-Ray-Laufwerk, einen Jura-Kaffeevollautomaten der aus meiner Sicht irreparabel defekt war (zum Ausschlachten). Mir gefiel die Idee, dass sich auf EBay Leute herumtrieben, die mit technischem Know-How mit dem „Schrott der anderen“ noch etwas sinnvolles anzufangen wussten. Weil ich darauf bedacht bin, einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, fand ich das eine nette Idee: Ein hochwertiges Gerät ist defekt? Mal schauen, ob es jemanden gibt, der damit noch etwas anzufangen weiß.

Mit dem Kaffeevollautomaten, den ich um 2016 verkauft habe, fingen die ersten Probleme an. Der Käufer entschuldigt sich, er habe den Auktionstext nicht bis zu Ende gelesen und daher übersehen, dass der Artikel „Nur für Selbstabholer“ sei. Ob ich ihn nicht doch verschicken könnte? Bezahlt hatte der Käufer – offenbar ein professioneller Aufbereiter kaputter Kaffeemaschinentechnik – bereits sowieso schon. Schließlich einigten wir uns darauf, dass er mir einen frankierten Karton zuschicken würde und ich ihm die Maschine darin verpacken sollte. Das ging dann auch tatsächlich gut, der Zusatzaufwand war relativ gering und das Geschäft wurde erfolgreich abgewickelt. Ende gut, alles gut?

Can you send it to Russia?

Es folgten weitere Auktionen, in denen ich als Verkäufer auftrat und langsam gewöhnte ich mich daran, dass die Auktionstexte eigentlich überhaupt nicht gelesen wurden. Mir drängte sich immer mehr der Eindruck auf, dass – vielleicht auch aufgrund der Einheitlichkeit der Plattform und der optisch nicht vorhandenen Unterscheidungsmerkmale zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern – der „Otto-Normal-EBayer“ nicht differenzierte: Man wurde mit Erwartungen konfrontiert, die eine Privatperson, die einfach nur überschüssige Dinge loswerden wollte, nicht erfüllen konnte: „Warum versenden Sie nicht? Das ist billiger als Sie denken!“, „Can you send it to Russia? How much do I have to pay?“ waren nur zwei der Sätze, die man sich zum Thema Versand anhören musste. Ich hatte inzwischen am Ende des Auktionstext bei den sperrigeren Artikeln „Kein Versand! Nur Selbstabholung! – No Shipping! Self-pickup only!“ eingefügt. Sinnlos. Müßig, den Leuten zu erklären, dass man keinen Karton und passendes Verpackungsmaterial zur Hand hat, um mal eben einen Heizkörper, ein Fahrrad oder ähnliches zu verschicken und: Auch nicht die Zeit, diese Dinge zu organisieren. Und dann kam irgendwann der erste Fall, in dem die (Rück-)Abwicklung eines Verkaufs richtig aufwändig wurde: Eine Person aus dem europäischen Ausland, die auch der deutschen Sprache nicht mächtig war, hatte auf einen meiner angebotenen Artikel geboten und dann auch sofort via PayPal bezahlt und verlangte, ich möge ihr den Artikel umgehend zuschicken – obwohl der Versand von meiner Seite bei jener Auktion ausgeschlossen worden war. Die Person meldet sich nicht mehr auf Nachfragen, ich hatte schließlich Kontakt mit EBay und PayPal, um die Rückabwicklung der Zahlung in die Wege zu leiten und staunte nicht schlecht, dass EBay seinen üblichen Anteil an der erfolgreichen Auktion von meinem PayPal-Konto abbuchte. Nach weiteren Telefonaten mit dem zugegebenermaßen recht freundlichen Servicepersonal von EBay erhielt ich schließlich auch die Gebühren zurück. Der Zeitaufwand rein in Stunden gerechnet lag bei fast einem ganzen Tag.

Ich habe das doch gar nicht gelesen!

Der Kandidat, der mir das Leben als privater EBay-Verkäufer entgültig vermieste, war jedoch jener, der vor einigen Wochen ein Fahrrad bei mir ersteigert: 2016er Modell Tourenfully, Bremsen und Federgabel neu, aber eben mir letztendlich zu groß. Der glückliche Gewinner hatte ein Gebot von knapp über 800 € abgegeben. Ich teilte ihm mit, wo er das Rad holen könnte und bat ihn, mir mitzuteilen, wann es ihm denn zeitlich recht sei. Bei seiner Antwort ging mir die Kinnlade runter: Sorry, meinte er, er brauche das Rad nicht mehr, er habe ein anderes auf EBay Kleinanzeigen gekauft. Ich fragte dann nach, ob er wisse, dass das hier eine Auktionsplattform sei und ein Gebot grundsätzlich bindend sei. Er so: Wüsste er nicht, er habe das Angebot auch gar nicht gelesen, dachte das sei alles so wie bei Kleinanzeigen. Für mich hieß das erneut mit EBay Kontakt aufnehmen und klären, wie weiter zu verfahren sei: Ich wollte den glücklichen Gewinner auch nicht so einfach davon kommen lassen – wer bietet, der hat eben das Risiko dessen, dass er auch genau das bekommt, worauf er sein Gebot abgegeben hat. Etwas nicht gelesen oder verstanden zu haben ist hierbei keine Ausrede: Es steht ja jedem frei, EBay zu verwenden und – von mir selbst ausgehend – wer etwas benutzt, das er nicht verstanden hat geht nun mal das Risiko ein, Fehler zu machen, für die er dann gerade stehen sollte.

Jedenfalls gab mir der nette EBay-Supportmitarbeiter kaum eine Chance, dass ich mein Geld sehen würde und es zu einem Vollzug käme: d.h. dass das Rad geholt und bezahlt würde. Allerdings sähe es gut aus hinsichtlich der Erstattung der EBay-Gebühren, bei entsprechendem Vorgehen, d.h. nach einer Wartezeit müsste ich für den Artikel einen  „Fall“ eröffnen und mit einer Zahlungserinnerung an den Käufer diesem die Chance geben, den Artikel doch noch zu bezahlen. Dann könne man nach einer bestimmten Frist die Gebühren erstatten. Er gab mir zudem zu verstehen, dass hinsichtlich der Rechtssprechung Gerichte durchaus unterschiedlich urteilen würden, was die Rechtsfolgen aus einer abgeschlossenen EBay-Auktion anginge. Dennoch habe eine abgeschlossene Auktion schon den Charakter eines Kaufvertrags.

Der Käufer ersparte mir jedoch überraschenderweise weiteren Aufwand: „Ich stehe zu meinem Wort,“ begann er eine Nachricht. Er habe einen Fehler gemacht, aber er würde nun daas Rad abholen kommen und bezahlen. Tatsächlich war der Käufer dann am kommenden Tag – wenn auch etwas zerknirscht und unter Eile, da er auch eine sehr lange Anreise hatte – vor Ort und holte das Fahrrad ab. Trotzdem war der Aufwand hoch gewesen: Insgesamt dauerte die Abwicklung wiederum fast einen kompletten Tag – unwirtschaftlich, wäre ich ein professioneller Händler könnte ich bei einem derartigen Aufwand mein Geschäft sicherlich bald wegen Unwirtschaftlichkeit dicht machen. Hinzu kommen die enormen Gebühren und der zunächst schwer erkennbare Benefit für mich als Verkäufer.

Darf’s auch ein bisschen mehr sein?

Gebühren: 10% für alle?

Nun bietet EBay eine unterschiedliche Gebührenstruktur für private und gewerbliche Verkäufer – als privater Verkäufer bezahle ich bei einer erfolgreichen Auktion eine Gebühr in Höhe von 10% des erzielten Verkaufspreises, bestimmte kostenpflichtige Extras sind möglich: Galerieoptionen, Vorlagen, Untertitel usw. können zusätzlich zu Buche schlagen. Als Beispiel das obige Fahrrad aufgegriffen: Geht dieses für 800 € über den Tisch, erhält EBay eine Provision in Höhe von 80 €. Maximal kann EBay 199 € verlangen, d.h. es gibt eine Deckelung. Vor 2014 lag diese bei 9% mit einem Deckel bei 75 €. Immerhin gab es zuvor auch nur ein Artikelbild kostenlos, inzwischen sind es ein Dutzend. Man fragt sich – spielt die klassische Auktion im Jahr 2018 überhaupt noch eine große Rolle bei EBay?

Handels-, nicht Auktionsplattform

Wie die Zeit Online bereits 2009 eine Sprecherin von EBay zitiert, sieht sich EBay als Handelsplattform: 3… 2… 1… meins! – das Auktionsformat – spielt kaum mehr eine Rolle bei EBay. Und dies nicht erst seit gestern. 2013 lag der Anteil an Auktionen über EBay noch bei cirka 15% was die über EBay abgewickelten Geschäfte anging. Das bestätigt ein Artikel des Spiegel Online bereits 2015 – allerdings scheinen seit einigen Jahren auch die Verkäufe nach Preisvorschlag zuzunehmen: Preisvorschläge, Sofortkauf via entsprechendem Button, diese Arten des Erwerbs haben mit der ursprünglichen Grundidee EBays kaum mehr etwas zu tun. Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich meine letzte größere Anschaffung per Auktion – ein Dell PowerEdge Server, 19″-Zoll, 1 HE – bereits vor 2015 getätigt habe. Aus einer Firmenauflösung in Belgien, mitten in der Nacht, unter 200 €, damals war ich noch selbständig und benötigte einen schnellen Testwebserver für meine Projekte. Der Nervenkitzel war ganz erheblich, denn jener Rechner war bereits der vierte, auf den ich meine Gebote setzte. Bei den dreien zuvor war ich ganz knapp leer ausgegangen. Die meisten Dinge – Möbel, Elektronika und anderes – habe ich dann aber tatsächlich als „Neuware“ zum Festpreis gekauft. Bei gewerblichen Anbietern, mit Garantie und allem Pipapo. Nix Privatkauf.

Nach einem Fahrrad für meinen Sohn habe ich damals tatsächlich auf EBay gesucht: Ein vollgefedertes Mountainbike, das neu unglaublich teuer sein kann, sollte es sein. Doch tatsächlich gibt es da inzwischen eine Vielzahl spezialisierter Plattformen. Und fündig geworden sind wir dann letztendlich nicht im Internet, sondern auf einer guten, alten Fahrradbörse: Eine Endurokiste von Cannondale aus Carbon mit modernem 1-fach-Antrieb, Vier-Kolben-Bremsen, 160mm Federweg und Teleskopsattelstütze. Preis: Noch deutlich unter 1000 €. Da konnten sowohl EBay als auch die anderen nicht mithalten.

Andere Formate – Kleinanzeigen und Co.

Kennt jemand Kijiji (Ki-dschi-dschi)? Bis 2009 war das der Name des Kleinanzeigenportals EBay Kleinanzeigen, dass zu einer niederländischen Tochtergesellschaft von EBay gehört. Wenn man der statistischen Entwicklung glauben mag, so hat sich alleine zwischen Oktober 2016 und 2017 die Anzahl der geschalteten Anzeigen auf EBay Kleinanzeigen um 25% erhöht. Und tatsächlich gibt es noch weit mehr Anbieter: Der Bundesverband Onlinehandel listet eine Fülle unterschiedlicher Marktplätze – vom „Flohmarktmodell“ wie Ebay Kleinanzeigen oder quoka.de  bis hin zu Spezialisten wie kleiderkreisel.de für gebrauchte Bekleidung oder Etsy für Handarbeit und Handwerkskunst. 2016 vorn lagen allerdings die Generalisten, amazon.de, ebay.de und ebay-kleinanzeigen.de was die Reichweite angeht.

Vergleicht man die Gebühren, so fällt zunächst auf, dass EBay Kleinanzeigen im Vergleich zum „klassischen“ EBay dem Grunde nach gebührenfrei ist. Das trifft ebenso auf Quoka.de zu, das einige Dinge ähnlich macht wie EBay Kleinanzeigen, beispielsweise hinsichtlich Werbeeinblendungen und der Möglichkeit, die Sichtbarkeit des eingestellten Inserats zu erhöhen. Also nichts mit grundsätzlich 10% Gebührenanteil bei Verkauf. Es liegt zu vermuten, dass auch die Gebührenstruktur inzwischen Privatverkäufer davon abhält, EBay intensiv zu nutzen.

Und nun? Ein Fazit.

Kaufen: Gerne. Verkaufen? Auktionen? Eher nein.

Ich werde sicherlich mein EBay-Konto nicht sofort löschen. Aber verkaufen werde ich nichts mehr. Der Aufwand und die Gebühren sind mir zu hoch. Hinzu kommt das sehr überladende und eher unzeitgemäße Design der Seite – Je tiefer es geht, desto mehr krankt das User Interface. Geschenkt: Andere kriegen es auch nicht unbedingt besser hin, Quoka.de mit viel kleinteiliger Typografie und Zeilenabständen an der Grenze der Lesbarkeit sieht schlimmer aus.

Womöglich werde ich noch den einen oder anderen Artikel über EBay kaufen. Aber nicht als Auktion, sondern im Sofortkauf-Format, beim Händler. Damit unterscheidet sich EBay dann auch nicht mehr groß vom Amazon Marketplace, einem der schärfsten Konkurrenten von EBay. Ich kaufe inzwischen viele Artikel bei spezialisierten Anbietern, oft bekomme ich dort die besseren Angebote und habe nicht so sehr das Gefühl, mit meinen Käufen einen der großen, „gewissenlosen“ Konzerne im weiter wachsen zu unterstützen.

Und verkaufen? Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Online noch im großen Stil machen werde. Jedenfalls nicht mehr bei EBay. EBay Kleinanzeigen habe ich gerade im Probelauf und vielleicht werde ich auch noch kleiderkreisel.de ausprobieren. Ansonsten wird es doch vielleicht noch der Flohmarkt, wir werden sehen.

Bildquelle: János Balzás: „Eingang der Deutschlandzentrale eBay in Dreilinden“, CC BY-SA 3.0

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